Parlament fordert: Auf den Teller statt in die Tonne

Welker Salat, Obst mit Druckstellen oder abgelaufener Joghurt landen schnell einmal im Abfall. Häufig zu schnell: Etwa ein Drittel der für den Verzehr produzierten Lebensmittel, rund 88 Millionen Tonnen, wandern EU-weit jährlich in die Mülltonne. Dabei wäre ein großer Teil davon unbedenklich genießbar. Pro Kopf entspricht dies entspricht durchschnittlich etwa 173 Kilogramm.

Diese Verschwendung ist nicht nur eine drastische Umweltbelastung, sondern auch wirtschaftlich hochproblematisch. Denn durch die Herstellung dieser nicht genutzten Lebensmittel werden wertvolle Ressourcen verschwendet, wie etwa Anbauflächen, Wasser, Dünger und Energie.

Parlament stimmt dem SPD-Vorschlag zu

Für die Sozialdemokraten im Europäischen Parlament steht fest, dass die EU aktiv werden muss. Das ist auch eine ethische Verpflichtung: Es darf nicht sein, dass EU-weit Unmengen an Nahrungsmitteln, die noch gut essbar wären, in den Müll wandern, während sich gleichzeitig rund 55 Millionen Europäerinnen und Europäer nicht jeden Tag eine vollwertige Mahlzeit leisten können.

Am Dienstag stimmte das Europäische Parlament einem ehrgeizigen Vorschlag zu, den die sozialdemokratische Fraktion eingebracht hatte: Bis zum Jahr 2025 soll der Anteil der weggeworfenen Nahrungsmittel um 30 Prozent gegenüber 2014 fallen. Das Ziel bis 2030 ist es, die Verschwendung sogar zu halbieren.

Aufklärung statt Verwirrung

Die Entschließung (hier in voller Länge) wurde am Dienstag mit einer breiten Mehrheit von 623 Stimmen verabschiedet. Das Parlament fordert darin die EU-Kommission auf, einen entsprechenden Aktionsplan vorzulegen. Auch die Mitgliedstaaten sollen Maßnahmen ergreifen, um das Bewusstsein der Konsumenten zu verbessern, denn etwa die Hälfte der Lebensmittelabfälle entsteht in privaten Haushalten.

Ein Teil dieses Mülls ist vermeidbar. Wichtig ist, dass Produkte klarer gekennzeichnet werden, als das bisher der Fall ist. Dazu braucht es einheitliche Regeln in der EU. Zurzeit sind viele Verbraucherinnen und Verbraucher schlicht nicht sicher, wie lange sie etwa Käse oder Gemüse ohne Vorbehalte genießen können.

Zum Beispiel sorgt die Unterscheidung zwischen Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdatum häufig für Verwirrung. Hier soll mehr Klarheit geschaffen werden – denn Lebensmittel sind nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums meist noch essbar, wenn sie sachgerecht aufbewahrt werden.

Anreize für Lebensmittelspenden schaffen

Das Europäische Parlament will aber auch Handel und Industrie in die Pflicht nehmen. Viele Lebensmittel werden schon bei der Herstellung aussortiert, weil sie wegen Schönheitsfehlern wie der falschen Größe oder einer Verformung schwerer verkäuflich sind. Auch Supermärkte und Restaurants schmeißen häufig einwandfreie Ware weg.

Die Abgeordneten fordern die Kommission unter anderem dazu auf, die Mehrwertsteuerbefreiung von Lebensmittelspenden ausdrücklich für zulässig zu erklären. Dies soll Anreize für den Handel schaffen noch genießbare Nahrung zu spenden anstatt zu entsorgen. Denn: Nahrungsmittel gehören auf den Teller, nicht in die Tonne.

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